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Internationale Tagung zur Arbeit von Schreib(lese)zentren

21. Januar 2008

Im Namen des Vorstandes der European Writing Centers Association (EWCA) lade ich Sie ganz herzlich zur Tagung nach Freiburg/Breisgau ein. Vom 19.-22.6.2008 diskutieren wir Wege zur Entwicklung von Schreib(lese)zentren an Schulen und Hochschulen. Ein zentraler Schwerpunkt wird der Bereich Peer-Lernen und hier ganz besonders die Schreibberatung sein. Besonders aufmerksam machen möchte ich Sie auf einen Ganztages-Workshop am 19.6. (9-12/14-17 Uhr), bei dem ein internationales Lehrerfortbildungsprogramm (www.scriptorium-project.org) zur Schreib- und Leseförderung vorgestellt wird. Weitere Informationen zur Tagung finden Sie auf www.ph-freiburg.de/ewca2008. Einsendeschluss für eigene Beiträge ist der 15.2.08. Den call for papers finden Sie ebenfalls auf der Tagungs-Website.

Gerd Bräuer (Chair EWCA 2006-2008)

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Kommentare

2 Kommentare zu “Internationale Tagung zur Arbeit von Schreib(lese)zentren”

  1. 01

    Inzwischen hat diese Tagung stattgefunden und hier ist ein Bericht dazu:

    Wenn Studienanfänger plötzlich nicht mehr schreiben können – Literalität des Übergangs

    Die Schwierigkeiten, welche nicht nur Schreibende beim Eintauchen in eine neue Lern- und Lebenswelt erleben, sind allgemein bekannt: Die Betroffenen werden mit neuen Anforderungen auf für sie ungewohnte Weise konfrontiert. Oft kommt es ihnen vor, als spräche man zu ihnen in einer fremden Sprache. Das bisher Gelernte scheint für sie in weite Ferne gerückt oder unbrauchbar für die anstehenden Aufgaben.

    In den letzten Jahren verdichten sich, m.E. als Begleiterscheinung des Bologna-Prozesses, die Erfahrungen an europäischen Hochschulen und Universitäten, dass extra-curriculare Einrichtungen wie Sprach-. Kompetenz- oder Schreibzentren eine wesentliche Rolle im Prozess dieser Neuorientierung bei Studierenden spielen können. Sie können helfen, die neuen Herausforderungen besser zu verstehen, bisher erworbenes Können und Wissen bewusst zu machen und dieses auf die neuen Aufgaben anzuwenden und zu neuen Einsichten und Erkenntnissen zu gelangen. Dieses pädagogische Potenzial von sog. extra-curricularen Einrichtungen trifft im Besonderen die Bedürfnisse von Studierenden im Rahmen modularisierter Ausbildung, wo kaum noch Zeit bleibt für das für den Übergang von Schule zum Studium so typische Suchen, Ausprobieren und Experimentieren junger Menschen.

    Für das individuelle Erkunden des Schreibens als zentrales Lernmedium im Studium und als entscheidendes Mittel der Lernstandsüberprüfung sind die Umstände in der von den Bologna-Beschlüssen geprägten Lehre besonders ungünstig. Während es im Zeichen von WEB 2.0 in vielen kommunikationsintensiven Berufsfeldern – dazu gehören z.B. sämtliche Lehrberufe in der Bildungsbranche – zu einer wachsenden Zahl von komplexen Schreibaufgaben und hoch spezialisierten Textsorten kommt (z.B. Web-Auftritt einer Lehrperson, Moderation eines Lerner-Forums, E-Portfolio, etc.), nimmt die Vielfalt der curricular verankerten Schreibanlässe im Studium drastisch ab. Da, wo bis vor Kurzem noch Referate und Hausarbeiten vorgesehen waren, werden zunehmend Klausuren geschrieben oder Portfolios, die leider oft beschränkt bleiben auf die Dokumentation rezeptiv geprägter Semesterarbeit. Die von der Hochschullehre offensichtlich nach wie vor favorisierte einseitige Wissensvermittlung durch die Lehrperson wird nur unzureichend schreibend angeeignet. Einzige Erfolg versprechende Strategie scheint sorgfältig portioniertes Wissen für Klausuren und mündliche Prüfungen, das de Betroffenen allerdings schnell wieder verloren geht, da es an sinnvoller Verankerung im Denken und Handeln der Studierenden fehlt.

    Im Jahre 2000 wurde die European Writing Centers Association (EWCA) gegründet, mit dem anspruchsvollen Ziel, die Konstruktion individuell bedeutsamer Lernprozesse bei Studierenden hochschulweit ermöglichen zu helfen. Für die Realisierung dieses Ziels, das zeigte die 3. Tagung der Organisation vom 19.-22.6.08 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg (Deutschland) in über 70 Workshops, Vorträgen und Poster-Präsentationen, genügt es nicht, Studierende allein bei der Endfassung von Texten zu unterstützen. Soll Lernen durch Schreiben zielgerichtet forciert werden, so eine weitere zentrale Erkenntnis der Tagung, müssen bereits die Lehrenden beim Konzipieren von authentischen, seminar- und fächerübergreifenden Schreibaufgaben begleitet werden. Für Studierende braucht es außerdem individuelle Beratung, Workshops, autonome Schreibgruppen, wo sog. Hilfstextsorten – Mitschrift, Zusammenfassung, Exzerpt, Kommentar, Essay, journalistische oder literarische Texte –auf die Bewältigung komplexer Schreibaufgaben wie der Studienabschlussarbeit vorbereiten. Dafür wurden auf der Tagung Projekte und Ergebnisse qualitativer und quantitativer Forschung, didaktische Konzepte und Methoden aus 22 Ländern vorgestellt und vor allem in den rund 30 Workshops von den insgesamt über 160 Teilnehmenden praktisch ausprobiert.

    Die drei thematisch ausgerichteten Tage zum Schreiben in Schule, Studium und Beruf demonstrierten Einigkeit in der folgenden These: Lernende brauchen die Begleitung des Schreibzentrums nicht erst in der Endphase ihrer Ausbildung. Der Bedarf für Schreibberatung ist in den vorangehenden Phasen – aber vor allem zum Beginn eines jeden neuen Ausbildungsabschnitts – von grundlegender Wichtigkeit. Die Entwicklung einer besonderen Schreibfähigkeit wie die der akademischen Textproduktion z.B., gelingt den wenigsten auf Anhieb im Rahmen einer komplexen Abschlussarbeit. Gebraucht werden vielfältige Schreiberfahrungen durch Aufgaben, die im Anspruch überschaubar und realistisch und im Inhalt klar fokussiert sind und durch die die verschiedenen Phasen der Wissens(de/re)konstruktion erlebt und aktiv gestaltet werden können. In vielen Veranstaltungen der EWCA-Tagung wurde herausgestrichen, dass diese kleinen, aber kontinuierlich abverlangten Schreibaufgaben, wenn sie inhaltlich und schreibdidaktisch aufeinander aufbauen, für die Schreibenden einen echten, weil erlebbaren Gebrauchswert ergeben und damit die Motivation für aktives Eintauchen in die neue Lernumgebung stärken helfen. Im Idealfall entwickeln sich z.B. aus den Schreibaufgaben des Studiums die zentralen Ideen für die Studienabschlussarbeit.

    Was und auf welchem Weg Schreibzentren als extra-curriculare Einrichtungen zu den oben angedeuteten Prozessen bei Studierenden, Lehrenden und der Hochschule im Schnittpunkt von Schule und Beruf beitragen können, das stand ebenfalls im Mittelpunkt der Arbeit der EWCA-Tagung an der PH Freiburg. Aus dem Blickwinkel von Theorie und Praxis institutioneller Entwicklung wurde Fragen wie den folgenden nachgegangen: Wie definiert und ermittelt die Institution die Kompetenzen, die für das erfolgreiche Eintauchen in eine neue Diskursgemeinschaft nötig sind? Wie vermittelt sie die Sprache der neuen Arbeitsumgebung an die Lernenden? Wie kann der Transfer der bisher erworbenen Kompetenzen fächerverbindend angeregt werden? Welche Schreibarten und Textsorten begleiten das Lernen fachspezifisch bzw. fächerübergreifend?

    Vor allem in den 6 Rundtisch-Gesprächen, zwei davon via Internet mit ReferentInnen aus den USA, wurden Konzepte zum Aufbau von Schreibzentren und studienbegleitenden Schreibcurricula als Teil von Hochschulentwicklung diskutiert. In diesen und anderen Veranstaltungen ging es dabei immer wieder um zwei zentrale Fragen: Wie kann die Rolle des Schreibens und der Schreibenden in der Wissensaneignung in Unterricht, Studium und Beruf optimiert werden und dies nicht nur in einem speziell ausgewiesenen Fach (z.B. im Deutschunterricht), sondern in allen Fächern? Wie könnten, von Studierenden und Lehrenden, Schreibaufgaben, -prozesse und –produkte über das einzelne Seminar oder das eigene Fach hinaus, von einer Ausbildungsphase zur nächsten weitergeführt werden – verstanden als Brückenschlag in die nächste Lebensphase und zur nächsten Diskursgemeinschaft?

    In der abschließenden Veranstaltung der Tagung wurden u.a. zwei Beschlüsse formuliert, von denen Lehrende und Studierende an Hochschulen mit Schreibberatung bzw. Interesse, eine solche aufzubauen, Gebrauch machen sollten. Es wurde festgelegt, das Tagungs-Wiki weiterzuführen, das ursprünglich dazu diente, die wichtigsten Begriffe sozialkonstruktivistischer Schreibdidaktik über Sprachen- und Kulturgrenzen hinweg für die Tagung zu definieren. Nähere Informationen dazu finden sich auf www.ph-freiburg.de/ewca2008 („Program“). Außerdem wurde beschlossen, den internationalen Austausch von Studierenden als Schreibberater/innen an Schreibzentren in Europa und anderen Regionen der Welt in den nächsten zwei Jahren gezielt aufzubauen. Interessenten sind herzlich eingeladen, sich an braeuer@ph-freiburg.de zu wenden.

    Gerd Bräuer

    Gerd Bräuer am 10. Juli 2008 um 19:30

  2. 02

    … und hier ein Tagungsbericht aus kanadischer Sicht, gepostet im Auftrag von Dale Wik (Vancouver Island University, Canada). Falls Sie Dale kontaktieren möchten, schreiben Sie ihr bitte unter Dale.Wik@viu.ca .

    The EWCA Conference of 2008 was inspired and inspiring. As I met some of the over 160 delegates from the twenty-two countries represented – places as diverse as Sweden, Nigeria, and Turkey – I realized that our shared passion for the vital work we do with students in our writing centers unites us far more than geographical boundaries separate us.

    The conference from June 19 – 22 was hosted by the University of Education in Freiburg, a German town on the edge of the Black Forest or Schwarzwald. The old section of Freiburg has winding cobblestone lanes and charming, outdoor cafes. In the mornings before the conference, we would wander down to a market in the square or Platzl near the famous Munster Cathedral. Fine German sausages, baskets of fresh cherries, bouquets of flowers, townspeople bustling about with market baskets – it was all wonderful. (Like travel writer Bill Bryson, I wanted to say, “Imagine! Even the littlest child among you can speak German.”)

    The theme of the conference, Initiating Writing Center Work – Connecting Secondary, Higher, and Professional Education, was explored in a number of workshops. Delegates were also invited to display photos of their centers which caused many of us to marvel at the diversity of writing spaces and the commonalities we share as well.

    Michele Eodice, keynote speaker, shared this insight about the conference: “I felt a real learning vibe in Freiburg – people want to learn from and with each other. We seem to share a common goal: guiding student writers all over the world to do what they need to do in their context.”

    In her keynote address Michele drew upon David Thornburg’s Campfires in Cyberspace metaphor to help us re-envision the center as a site of learning, drawing upon the power of narrative and the archetypes of the campfire, the watering hole, and the cave. She challenged us to “shift our focus from student texts to student learning.”

    After Michele’s talk I reflected on the tutorials I find least rewarding, the ones in which the pressure to be efficient makes me feel I have to get through as much material as possible – what I misconstrue as the business of tutoring. When I don’t give myself the luxury of connection, of listening to the student and claiming the learning moment, I end up with a transactional encounter, not the transformative one I aim for on my better days.

    Michele must have had a clone or two doing all the work while she napped in the sun: she held a number of workshops and always seemed to be purposefully dashing about, all the while fresh and animated. One intriguing workshop that she gave with Elizabeth Boquet of Fairfield University linked writing to jazz improvisation.

    Other workshop presenters also addressed questions that we all have about how to situate ourselves within our institution. Laura Greenfield from Mount Holyoke College drew upon her experience to answer central questions such as “Who owns the center?” and “What is its purpose or mission?” Similarly, Laura Bokus from Caldwell Community College and Technical Institute left us admiring her success at crafting a successful WAC program in a short time.

    Unscripted social interaction is also one of the great benefits of any conference. (In other words, you get to meet a bunch of good people over food and wine). Gerd Bräuer and Erdmuthe Schiller, the directors of the local organizing team who are deservedly proud of their beautiful region, had arranged for us to visit Staufen. It was in this village where Faust died, (yes, he really was a historical figure from the sixteenth century) after having sold his soul to the devil for skill in alchemy. His contract with the devil had expired and he tried to escape. He found his end in the same inn where we had dinner and watched a performance of parts of Goethe’s famous play about Faust. We also saw a beautiful part of the Rhine Valley the next day on a journey to the village of Breisach and a boat trip on the Rhine River.

    Perhaps the most significant accomplishment of the conference was the resolution to formalize an International Peer Tutor Exchange initiative with support from both the IWCA and the EWCA. Interested people are encouraged to contact Gerd at braeuer@ph-freiburg.de who says that international networking is just a first step to a more formal joint project such as this one.

    Another important outcome is the conference wiki to continue the work of establishing a glossary of common terms to help prevent cross-cultural misunderstandings. Contributions are welcome any time at www.ph-freiburg.de/ewca2008/wiki/. The wiki also holds a resource of key websites to encourage international writing center collaboration.

    In the coming year, Ann Mott, newly-elected EWCA president, aims to promote this spirit of international collaboration by “uniting Writing Center practitioners and theorists throughout our expanding Europe, embracing our old friends and expanding our EWCA family to include new colleagues.” Ann, who has been on the board of the EWCA since 2003, is from The American University of Paris.

    Canadians have been slower than Americans to establish a space for writing centers and to bring them from the margins to the core of our institutions, but we’re trying to catch up. Attending the EWCA Conference marked the first time that my university had been represented at an international writing center conference. Back at work getting ready for the fall semester, I still feel the web of connection.

    I can’t do better than to end with Gerd’s words from a recent conference document: “Be well, do good work, and keep in touch.”

    (Please note: This conference report will also appear in the newsletter of the International Writing Centers Association/IWCA, Update.)

    Gerd Bräuer am 23. August 2008 um 11:49

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